Februar 2013

Willkommen auf den Seiten des Heimatverein Merzdorf e.V.

Der böse Zauberer im Schraden

Hört die Geschichte von SCRATO – dem Waldteufel – der hernach unserer Landschaft seinen Namen geben musste.

In einem Schradendorf lebte eine arme Witwe mit ihren zwei Kindern, einem Jungen und einem Mädchen.

Eines Tages sollten sie im  Schradenwalde Beeren oder Pilze suchen. Das Mädchen sammelte fleißig, aber der Junge sprang lieber den Schmetterlingen und Eichhörnchen nach. Schließlich merkte er, dass er allein war. Der Boden wurde morastig. Der Junge rief, aber hörte keine Antwort und bekam es mit der Angst zu tun.

Entwurf von Irene Freund

Entwurf von Irene Freund

Inzwischen hatte das Mädchen tüchtig gesammelt, und als es endlich den Bruder vermisste, rief es nach ihm. Es glaubte auch eine Antwort zu hören und lief in dieser Richtung. Da kam es an einen Graben, und drüben stand ein wunderlicher Mann mit struppigem Haar und langem Bart. Es war der Zauberer Scrato, und der wollte das Kind fangen. Das Mädchen fragte nach dem Bruder und der Zauberer versprach freundlich, es hinzuführen. Er legte seinen Stock über den Graben und da wurde ein Steg daraus. Das Mädchen folgte dem Mann zu einer Höhle. Dort sagte der Zauberer höhnisch:

„Deinen Bruder sieht du nimmer – bei mir bleibt er immer!“

Nun lief sie erschrocken davon und als sie an den Graben kam, sah sie auf der anderen Seite den Bruder. Aber dem Zauberer konnte sie nicht mehr entgehen. Er verzauberte sie in eine Birke und den Jungen in einen Schmetterling.

Noch heute sind beide nicht erlöst. Man sieht im Sommer den Schmetterling – Trauermantel nennen ihn die Menschen – die Stellen aufsuchen, wo die weißen Bäume mit den langen, herabhängenden Ruten – die Trauerbirken – stehen, um auf sein verlorenes Schwesterchen zu warten.

(Quelle: Heimatkalender des Jahres 1961)

Geschrieben am 23. Februar 2013 | Abgelegt unter Sagen

Über die Ludki oder die Luttchen

Lutchen Zeichnung von H.J.JankDie Ludki, verdeutscht Luttchen, gibt es nur in den beiden Lausitzen. Es sind kleine Leutchen, wie aus ihrem slawischen Namen ersichtlich. Sie wohnen abseits von den Menschen in den sandigen Hügeln der Niederlausitz, denn sie scheuen den Klang der Kirchenglocken und das Geschrei der Kinder in den Dörfern. Auch das Pfeifen, mit dem die Menschen ihr Vieh rufen und das Brummen, mit dem die Menschen häufig miteinander umgehen, mögen sie nicht. So wird das heimliche Leben der Ludki von unseren Vorfahren begründet.  Doch kamen sie vielfach in die Dörfer der Wenden, deren Sprache sie nur sehr unvollkommen sprachen, so daß man nicht sicher sein konnte, ob ein Ja auch als ja zu verstehen sei oder ob es ein Nein bedeuten sollte. Das brachte manche Schwierigkeit und manches Mißverständnis mit sich. Oft liehen sich die kleinen Leute von den Menschen Werkzeuge. Einen Backtrog, zum Beispiel, oder auch eine Säge und anderes. Man lieh ihnen gern, denn es waren durchweg ehrliche Kerlchen, die sorgsam mit den ausgeliehenen Dingen umgingen und sie immer umgehend zurück brachten. Auch brachten sie dem Eigentümer etwas mit für das ausgeliehene Stück, etwa ein kleines Brot für den Backtrog.
Bei aller Abgeschiedenheit ihres Daseins sind die kleinen Leute tüchtig und hilfsbereit. Sie helfen den Menschen bei vielerlei Arbeiten im Haus, auf dem Hof und auf den Feldern. Gute Geister eben, wenn sie von den Menschen gut behandelt werden. Unsere Altvorderen stellten ihnen daher des Abends ein kleines Näpfchen mit Speisen auf die Türschwelle, welche sie gern annahmen. Wenn am Morgen die Näpfchen leer waren, freuten sich die Menschen. Das war nämlich ein untrügliches Zeichen dafür, daß die Ludki oder Luttchen die Speisen auch dankend angenommen hatten. Verärgern aber durfte und wollte man die kleinen Leute nicht, rechnete man doch auf sie, wenn man ihrer wirklich einmal bedurfte.
Böse konnten die Luttchen werden, wenn man sie ärgerte oder sich undankbar erwies. Ansonsten waren sie die guten Geister des Hauses. Verträglich und hilfsbereit. Dies nicht nur im Hause, sondern auch bei der Arbeit in Feld und Flur. Einem pflügenden Bauern, welcher erschöpft in der Mittagsglut hinter seinem Pflug einherschritt und der bei sich dachte: jetzt wäre ein Krug Buttermilch und ein Stück Brot gut, fand, als er seinen Pflug wendete, beides neben der Pflugfurche. Ein anderer Bauer glaubte bei der Wiesenmahd hinter sich Geräusche von Kuchenblechen zu hören und murmelte vor sich hin: oh, wie gern würde ich jetzt ein Stück Kuchen essen, worauf zwei Luttchen erschienen und ihm einen Kuchen brachten. „Laß es Dir schmecken, Bauer, aber laß den Kuchen ganz!“ Der Bauer stutzte, bedankte sich, zog sein Messer und schnitt den Kuchen so aus, daß der Rand als ganzer Ring übrig blieb. Den großen inneren Kuchenteil verzehrte er mit Appetit. Dafür wurde er von den Ludki gelobt. Einem Menschen mit Verstand waren die kleinen Leute stets gewogen, wenn er letzteren nicht dafür nutzte, um andere zu übervorteilen.
Auch wer ihnen nicht begegnete, dem boten sich in alter Zeit vielfältige Belege ihrer Existenz oder doch zumindest ihrer vormaligen Existenz. Die Urnenfelder mit ihren tönernen Gefäßen wurden ihnen zugeschrieben. Die kleinen Henkel an den Gefäßen waren so recht für die Hände der Luttchen gemacht. Auch der Leichenbrand in den Tongefäßen mit den kleinen Knochenresten deutete auf die kleinen Leute. Den Dörflern boten die Ludki geradezu eine Erklärung für die Gefäße, welche in der Nachbarschaft ihres Dorfes gefunden wurden. Bei dieser Herkunft der Gefäße war es dann auch kein Wunder, daß diese Töpfe nun auch wunderbare Eigenschaften hatten. Als Viehtränke genutzt, beugten sie Krankheiten vor. Die Sahne, welche in ihnen gesäuert wurde, war fetter und ergab eine schmackhaftere Butter als die, welche in den seinerzeit üblichen Tontöpfen gesäuert wurde. Bei den auch sonst sympathischen Eigenschafte der Luttchen war das auch zu erwarten gewesen.

aus „Sagen und Märchen aus der Lausitz“ Herausgegeben von Hubrich-Messow, Gundula 2012

Geschrieben am 23. Februar 2013 | Abgelegt unter Sagen

Der Schlangenkönig I

Schlangenkoenig Zeichnung von H.J.JankEin fremder Graf war aus Italien in die Lausitz gekommen. Er erfuhr von den Leuten, dass es im Spreewald einen Schlangenkönig gäbe; der spiele mit den übrigen Schlangen oft auf der Waldwiese und lege dabei seine Krone an einer sonnigen Stelle ab. Der Graf war habgierig und beschloss, die Krone des Schlangenkönigs zu rauben. Er suchte daher, bis er die Wiese gefunden hatte und beobachtete, wie die Schlange ihre Krone auf einen sauberen Fleck, am liebsten auf etwas Weißes ablegte, um dann mit den übrigen zu spielen und sich in der Sonne zu tummeln. Eines schönen Tages ritt der Graf zu den Schlangen, breitete ein weißes Tuch auf der Wiese aus und versteckte sich hinter einem Strauch. Die Tiere kamen auch bald, und der Schlangenkönig legte seine Krone auf das Tuch. Dann spielten sie etwas abseits in der Sonne. Gerade das hatte der habsüchtige Graf erhofft. Schnell schlich er zu dem Tuch, erfasste es mitsamt der Krone, schwang sich aufs Pferd und ritt im Galopp davon. Im Nu jagte eine große Schar Schlangen hinter dem Dieb her. Er ritt, soviel das Pferd hergab, übersprang eine hohe Mauer und entging den Verfolgern. Mit der Krone wurde der Graf reich und ließ sich ein Schloss bauen. Zum Wappenschild erwählte er eine Mauer und eine gekrönte Schlange.

Quelle: Sagen der Lausitz, Domowina-Verlag Bautzen, 1990

Geschrieben am 23. Februar 2013 | Abgelegt unter Sagen

Der Schlangenkönig II

In früheren Zeiten gab es eine Unmenge Schlangen im Spreewald, so dass es für die Leute eine wahre Landplage war. Da kam eines Tages ein geheimnisvoller Wandersmann und sagte: »lch will euch die Schlangen vertreiben aber nicht vor dem 1. Mai!«

Die Leute mussten auf sein Geheiß eine riesige Grube graben und ein Brett darüber legen. Als der 1. Mai gekommen war, sagte er: »Aus allen Himmelsrichtungen werden die Schlangen samt ihren Königen kommen. Sobald ich mit der Zauberei beginne, werden sie sich auf mich stürzen. Kurz vorher aber fallen sie in die Grube. Wir wollen hoffen, dass ich bei diesem gefährlichen Schauspiel nicht selbst mit den Schlangen hinabfalle. Sollte das passieren, muss ich sterben. Werft dann ganz schnell Erde in die Grube, damit mich die Schlangen nicht zu sehr beißen! Der Mann trat auf das Brett und spielte eine wunderschöne Melodie auf seiner Flöte. Danach neigte er sich dreimal in alle Himmelsrichtungen und blies wieder auf der Flöte. Plötzlich konnte man ein seltsames Rauschen in der Luft hören. Aus allen Himmelsrichtungen kamen unzählige Schlangen herbei, voran die Schlangenkönige mit goldenen Kronen. Es war ein Glitzern und Funkeln in der Luft, wie es die Menschen noch nie zu Gesicht bekommen hatten.

Die Schlangen schossen auf den Mann zu, verfehlten ihn -gottlob – und stürzten in die Grube. Eine aber kam ihm doch zu nahe. Er schrie auf und fiel in die wütend zischelnde Menge. Eilig liefen die Leute mit Schaufel und Spaten herbei und schütteten das Getier samt dem Manne mit Erde zu. Seiner „Befreiungstat“ zu Ehren tragen die Häuser noch heute die gekreuzten Symbole der Schlangenkönige.

mündl. Überlieferung

Geschrieben am 23. Februar 2013 | Abgelegt unter Sagen

Der Wassermann

Wassermann Zeichnung vo H.J.JankNykus genannt, sowie seine Gemahlin verlocken an See und Flüssen die Vorübergehenden zum Baden und ertränken sie sodann. Er thut dies auch mit Jedem, der in seinen Bereich kommt, denn er muß alle Jahre seine gewisse Anzahl Opfer bekommen, es seien nun Menschen oder Thiere. Wenn seine Frau an dem Ufer der Gewässer Wäsche trocknet, so ist regnerische Witterung und großes Wasser zu erwarten. Er erscheint in einer von einem Menschen in nichts unterschiedener Gestalt, und ist er auf trockenem Lande, so ist er unkräftig und man kann ihn gefangen nehmen und zu einem Diener machen. Mit seiner Frau zeugt er auch Kinder und diese gehen mit den Kindern der Menschen um. Die Töchter kommen auch wohl zum Tanze und verlieben sich in die hübschen Burschen. So kamen z.B. die Töchter des Wassermannes, wenn in der Schenke Musik war, vor alten Zeiten auch immer dahin und tanzten ohne Scheu mit den jungen Burschen. Sie waren sehr schön und dabei hübsch geputzt und von den andern Mädchen nur dadurch zu unter scheiden und als Töchter des Wassermannes zu erkennen, daß ihr Rock stets einen nassen Saum hatte. Die eine verliebte sich in einen Burschen, welcher der schöne Georg hieß, ebenso er sich in sie, aber er scheute sich doch, in ihre Wohnung mitzugehen. Der Wassermann hatte aber damals seine Wohnung in dem an der Spree gelegenen und der Herrschaft gehörigen Teiche, welcher den Namen Ramusch führt und durch den jetzt der Fluß geleitet ist. Er begleitete seine Geliebte öfters bis hierher und ging auch endlich mit ihr. Der schöne Georg erzählte hierauf, sie habe, als sie zu dem Teiche gekommen, eine neue Gerte genommen und damit ins Wasser geschlagen. Dieses habe sich nun getheilt und sie wären auf einem schönen grünberasten Wege zu der Wohnung des Wassermannes gekommen und in dieselbe hineingegangen. Dort wäre es sehr schön gewesen und man habe ihn außerordentlich gut aufgenommen etc.

Quelle: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen.
Band 2  Seite 197 bis 198 Dresden 1874 von Johann Georg Theodor Grässe

Geschrieben am 23. Februar 2013 | Abgelegt unter Sagen

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