{"id":919,"date":"2014-03-14T08:23:22","date_gmt":"2014-03-14T07:23:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.heimatverein-merzdorf.de\/?p=919"},"modified":"2014-03-14T10:40:39","modified_gmt":"2014-03-14T09:40:39","slug":"von-grenzstein-zu-grenzstein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heimatverein-merzdorf.de\/?p=919","title":{"rendered":"Von Grenzstein zu Grenzstein"},"content":{"rendered":"<h2>Durch das Schradenland f\u00fchrt jetzt ein neuer Wanderweg. Er besch\u00e4ftigt sich mit den Grenzmarkierungen.<\/h2>\n<p>(von Henry M\u00fcller)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.heimatverein-merzdorf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Nr168gro\u00df.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone  wp-image-915\" alt=\"Nr168gro\u00df\" src=\"https:\/\/www.heimatverein-merzdorf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Nr168gro\u00df-1024x544.jpg\" width=\"614\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/www.heimatverein-merzdorf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Nr168gro\u00df-1024x544.jpg 1024w, https:\/\/www.heimatverein-merzdorf.de\/wp-content\/uploads\/2010\/09\/Nr168gro\u00df-300x159.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 614px) 100vw, 614px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Im Baudaer Steinmetzbetrieb Thierichen wurde die Grenzs\u00e4ule mit der Nummer 168 neu gefertigt. Steinmetz J\u00f6rg G\u00fcnther bringt hier das Muster f\u00fcr die einzuarbeitende Schrift mittels Schablone auf. Vorhandene Grenzsteine und Dokumente bildeten die Vorlage dazu. (Foto: K.-D. Br\u00fchl\/Text: Henry M\u00fcller\/SZ vom 13. M\u00e4rz 2014)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dort, wo jetzt Preu\u00dfen Sachsen k\u00fcsst, stehen seit fast 200 Jahren unscheinbare Grenzsteine mit fortlaufenden Nummern und der geheimnisvollen Aufschrift KP und KS. Diese Buchstaben stehen f\u00fcr K\u00f6nigreich Preu\u00dfen bzw. K\u00f6nigreich Sachsen. Im Bereich des Amtes Schradenland gibt es heute noch mehr als 20 dieser stummen Zeitzeugen. \u201eDie meisten von ihnen sind aber in keinem guten Zustand, zwei sind sogar schon ganz von der Bildfl\u00e4che verschwunden\u201c, \u00e4rgert sich Gert O\u00dfendorf, der Vorsitzende des Merzdorfer Heimatvereins. Er f\u00fchrte im Gro\u00dfenhainer Alberttreff virtuell auf der 25,8 Kilometer langen Route, welche die Grenze des Amtes Schradenland zum Kreis Mei\u00dfen bildet. Zu dieser Grenzziehung war es nach dem Wiener Kongress von 1814\/15 gekommen, bei dem ganz Europa neu aufgeteilt wurde. Durch das B\u00fcndnis des s\u00e4chsischen Kurf\u00fcrsten Friedrich August III. (Als K\u00f6nig: Friedrich August I.) und Napoleon I., wurde Sachsen zwar 1806 K\u00f6nigreich, verlor aber nach dem Sturz Napoleons \u00fcber die H\u00e4lfte seines damaligen Territoriums sowie 42 Prozent der Bev\u00f6lkerung. Die neue Grenze kennzeichnete man zun\u00e4chst mit Holzpf\u00e4hlen, die sp\u00e4ter durch markante Steins\u00e4ulen ersetzt wurden. Sie beginnt in Seidenberg mit Stein Nummer 1, f\u00fchrt in westlicher Richtung an der Wittig entlang, \u00fcberquert bei Radmeritz die Nei\u00dfe und setzt sich dann quer durch die Oberlausitz fort. Von der Nummer 1 bis zur 81 wurden die Steine paarweise gesetzt und neben der Nummer farblich gekennzeichnet: der s\u00e4chsische Stein wei\u00df-gr\u00fcn, der preu\u00dfische wei\u00df-schwarz. O\u00dfendorfs Gebiet beginnt bei Gro\u00dfthiemig am Grenzstein 160 in H\u00f6he der Grenze zum Oberspreewald-Lausitz-Kreis und geht bis kurz hinter Merzdorf an den Beyerteichen zum Grenzstein 176. Diese Strecke ist durchgehend begehbar. Das ist weitestgehend der Verdienst von Gert O\u00dfendorf, denn er ist Tourismusbeauftragter des Amtes Schradenland. \u201eEntstanden ist die Idee aber schon weit vorher, da ich mich mit den Grenzsteinen um Merzdorf sehr intensiv besch\u00e4ftige. Nun ist der Weg eine weitere Bereicherung f\u00fcr die wandertouristisch bereits gut erschlossene Schradenregion\u201c, verr\u00e4t er. Auf seine Initiative ist auch die Errichtung eines rekonstruierten Grenzsteines zur\u00fcckzuf\u00fchren. \u201eDer Baudaer Steinmetz und Steinbildhauer Armin Thierichen hat uns dabei sehr geholfen. So k\u00f6nnen wir am 31. M\u00e4rz endlich einen Grenzstein pr\u00e4sentieren, der nicht vom Zahn der Zeit zerfressen ist\u201c, freut sich der passionierte Touristiker. Am 6. September, also am \u201eTag der Sachsen\u201c, beginnt um 9 Uhr die nun schon sechste Grenzsteinwanderung entlang der Grenze zum Heidebergturm und zur\u00fcck nach Merzdorf zum Vereinsgel\u00e4nde. Bereits am 31. M\u00e4rz wird im Dorfgemeinschaftshaus Merzdorf eine Fotoausstellung mit dem Titel \u201e200 Jahre historische Grenze Sachsen\/Preu\u00dfen\u201c er\u00f6ffnet. Diese ist bis zum 16. April ge\u00f6ffnet. \u201eWo Preu\u00dfen Sachsen k\u00fcsst\u201c hei\u00dft die Dachmarke der ersten brandenburgischen Landesausstellung, die vom 7. Juni bis zum 2. November auf Schloss Doberlug stattfindet. In ihr werden anl\u00e4sslich des 200. Jubil\u00e4ums des Wiener Kongresses Szenen einer Nachbarschaft dokumentiert. In Doberlug deshalb, weil das s\u00e4chsische Gebiet bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts bis weit ins heutige Brandenburg reichte. Die Grenze lag etwa 50 Kilometer s\u00fcdlich vor Potsdam. Spuren dieser Vergangenheit finden sich in S\u00fcdbrandenburg bis heute, so zum Beispiel die s\u00e4chsischen Posts\u00e4ulen in Elsterwerda, Uebigau-Wahrenbr\u00fcck, Senftenberg oder Ortrand. Es gibt aber auch andere Verbindungen zum s\u00fcdlichen Nachbarn. So geh\u00f6rt zum Beispiel die Kirchgemeinde Merzdorf zum Frauenhainer Kirchspiel. \u201eNach der Wende wurde eine Volksbefragung mit dem Thema durchgef\u00fchrt, ob die B\u00fcrger der Schradener Region zu Sachsen oder Brandenburg geh\u00f6ren wollten. Wir haben uns f\u00fcr Sachsen entschieden, aber die Herren der Landesregierung in Potsdam haben uns damals nicht freigegeben\u201c, kommentiert O\u00dfendorf ein weiteres Kapitel gelebter Demokratie. Sie durften also nicht \u201ezur\u00fcck\u201c, denn sp\u00e4testens zu Beginn des 15. Jahrhunderts geh\u00f6rte das Schradenland zum Territorium des s\u00e4chsischen Amtes Hayn. 1815 kam der Schraden von der \u201eGro\u00dfenhainer Pflege\u201c des K\u00f6nigreiches Sachsen zum Herzogtum Sachsen des K\u00f6nigreiches Preu\u00dfen (Regierungsbezirk Merseburg, Kreis Liebenwerda). 1583 erfolgte die Teilung des 4 925 Hektar umfassenden Schradenwaldes. Der Anteil des kurs\u00e4chsischen Staates am Schraden wurde im 16., 17. und 18. Jahrhundert stark vergr\u00f6\u00dfert. So verkauften 1586 die Herrschaft Frauenhain ihren gesamten Schradenabschnitt, die Herrschaft Strauch im Jahre 1615 etwa zwei Drittel ihrer Schradenwaldfl\u00e4che. 1727 ging die Herrschaft Elsterwerda mitsamt dem Elsterwerdaer Schraden an den s\u00e4chsischen Staat \u00fcber. O\u00dfendorf hat schon immer den Kontakt in den benachbarten s\u00fcdlichen Landkreis gesucht, und das nicht nur auf touristischer Ebene. Seine enge Beziehung zu Sachsen hat wohl auch seinen Ursprung darin, dass O\u00dfendorf in den 50er Jahren in Gro\u00dfenhain lebte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Grossenhainer Zeitung vom 13. M\u00e4rz 2014<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch das Schradenland f\u00fchrt jetzt ein neuer Wanderweg. Er besch\u00e4ftigt sich mit den Grenzmarkierungen. (von Henry M\u00fcller) Im Baudaer Steinmetzbetrieb Thierichen wurde die Grenzs\u00e4ule mit der Nummer 168 neu gefertigt. Steinmetz J\u00f6rg G\u00fcnther bringt hier das Muster f\u00fcr die einzuarbeitende Schrift mittels Schablone auf. Vorhandene Grenzsteine und Dokumente bildeten die Vorlage dazu. (Foto: K.-D. 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