{"id":648,"date":"2014-02-04T10:46:26","date_gmt":"2014-02-04T09:46:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.heimatverein-merzdorf.de\/?p=648"},"modified":"2014-02-09T16:23:20","modified_gmt":"2014-02-09T15:23:20","slug":"sagen-des-schradens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heimatverein-merzdorf.de\/?p=648","title":{"rendered":"Sagen des Schradens"},"content":{"rendered":"<p>Die sumpfige Niederung und die einst dichten einsamen W\u00e4lder des Schradens boten Stoff f\u00fcr eine ganze Reihe von Sagen, von denen einige in den \u201eLiebenwerdaer Heimatkalendern\u201c und in der \u201eSchwarzen Elster\u201c, einer heimatkundlichen Beilage des Liebenwerdaer Kreisblattes, ver\u00f6ffentlicht wurden.<\/p>\n<h3>Die Nixen von Seifertsm\u00fchl<\/h3>\n<p>Vor langen Jahren lebten im Seifertsm\u00fchler M\u00fchlteich bei Merzdorf zwei Nixen gl\u00fccklich und zufrieden mit ihrem alten Vater tief unter dem Wasserspiegel in ihrem Schlo\u00df. Zuweilen in mondhellen N\u00e4chten kamen sie herauf und tanzten und sangen auf der M\u00fchlwiese. Wenn aber aus dem Tanzsaal, der unweit der M\u00fchle stand, der Klang der Fiedel her\u00fcberklang, dann sehnten sich die Nixen danach, auch einmal unter den Menschenkindern im erleuchteten Saal auf blankem Boden mittanzen zu k\u00f6nnen. Aber der alte Nix schlug ihnen diese Bitte hartn\u00e4ckig ab. Endlich nach wiederholten Bitten und langem Z\u00f6gern gab er doch nach und erteilte ihnen die Erlaubnis unter der Bedingung, da\u00df sie vor Tagesanbruch wieder im Wasser sein m\u00fc\u00dften. So erschienen sie in einer sch\u00f6nen Sommernacht auf dem Tanzsaal, und alles staunte \u00fcber ihre Sch\u00f6nheit und ihre wunderh\u00fcbschen Gew\u00e4nder. An T\u00e4nzern fehlte es nicht. Den Nixen gefiel es so gut, da\u00df sie auch den letzten Tanz nicht auslassen wollten. Dann aber verschwanden sie unbemerkt und schnell, wie sie gekommen waren. Sie eilten zum M\u00fchlsteig, doch inzwischen ging die Sonne auf. Zu ihrem Schrecken fanden sie Teich und Bach leer, das Schlo\u00df war verschwunden und der Vater trotz Rufens nicht zu finden. Weinend gedachten sie seiner Worte. Die Lust am Tanze hatte ihnen die Heimat geraubt! Was blieb ihnen \u00fcbrig? Sie mu\u00dften sich in der N\u00e4he eine Quelle suchen, in deren Wasser sie schnell verschwanden. Gleich darauf kamen Kr\u00e4hen herbei und mauerten den Born bis obenhin zu, um die Nixen k\u00fcnftig von den Menschen fernzuhalten. Er hie\u00df fortan der Kr\u00e4henborn. Sp\u00e4ter sollen die Nixen weiter nach Norden gezogen sein. Beim Tanz hat sie niemand wieder gesehen. Nixensagen finden sich an vielen Gew\u00e4ssern, besonders in den ehemals sorbischen Gebieten, bei uns an Elbe, Elster und R\u00f6der sowie mehreren Teichen. Sie geh\u00f6ren zu den anmutigsten Sch\u00f6pfungen der Volksdichtung.<br \/>\n(Vgl. die Nixensagen in den Heimatkalendern 1955, 1956 und 1959.) B. Schulz in Heimatkalender 1928, leicht gek\u00fcrzt<\/p>\n<h3>Die Sage vom Rei\u00dfdamm<\/h3>\n<p>Das hiesige Vorwerk Rei\u00dfdamm um Schraden zwischen Elsterwerda und Plessa war in uralten Zeiten eine Wasserburg, die ihren damaligen Standort allerdings mehr nach Merzdorf zu hatte. Auf dieser Burg hauste ein einsamer Ritter, dem die umliegenden D\u00f6rfer im Schraden zinspflichtig waren. In jedem Jahre forderte er zu einer gewissen Zeit aus einem dieser fronpflichtigen D\u00f6rfer das sch\u00f6nste M\u00e4dchen zu seiner Frau. Das war aber bereits schon mehr als drei\u00dfig Mal geschehen und die Bewohner der D\u00f6rfer waren mit Grimm \u00fcber dieses Treiben erf\u00fcllt, weil keines der drei\u00dfig M\u00e4dchen jemals wieder zur\u00fcckgekehrt war. Einmal aber trug sich folgende Geschichte zu: Auf einer einsamen Stra\u00dfe zwischen Merdorf und Krausch\u00fctz zog ein junger Wanderer seines Weges, als ihm kurz vor Krausch\u00fctz eine Schar klagender Weiber begegnete.<br \/>\nNach dem Grund ihres Leides befragt, antworteten die Frauen: \u201eGuter Mann, wer ihr auch seid, helft uns in unserer gro\u00dfen Angst und Not, denn bisher hat noch keiner helfen k\u00f6nnen.\u201c Der Wanderer wollte wissen, welche Not sie plage. Da sagten ihm die Weiber: \u201eEs ist wieder die Zeit, wo der finstere Ritter das sch\u00f6nste M\u00e4dchen aus unserem Dorfe fordert. Heute abend will er sie holen und auf seine Burg f\u00fchren. In diesem Elend leben wir von Jahr zu Jahr, denn wir wissen nicht, wo unsere T\u00f6chter bleiben.\u201c Der Fremde bedachte sich eine kurze Zeit und sagte dann, da\u00df er ihnen helfen wird. Er lie\u00df sich genau berichten, wann und Der b\u00f6se Zauberer im Schraden auf welchem Wege der Ritter kommt und seinen Raub entf\u00fchrt. Er erfuhr auch, da\u00df die dem Ritter untert\u00e4nigen Bauern auf dem Wege, den der Ritter benutzt, gro\u00dfe Reisigb\u00fcndel in den Sumpf werfen mu\u00dften, damit der Ritter mit seiner sch\u00f6nen Last nicht versank. Die Bauern mu\u00dften also einen Damm aus Reisig legen, der heute noch dem Vorwerk Rei\u00dfdamm seinen Namen gibt. Dem jungen Wanderer verflog alle M\u00fcdigkeit, als er an die Ausf\u00fchrung seines Planes ging, dem M\u00e4dchenr\u00e4uber das Handwerk zu legen. Er w\u00e4hlte einen beherzten jungen Mann aus dem Dorfe aus und weihte ihn in seine Pl\u00e4ne ein. Sie h\u00e4ngten sich gro\u00dfe wei\u00dfe Bett\u00fccher um und hielten sich in einem dichten Geb\u00fcsch in der N\u00e4he des Rei\u00dfdammes verborgen. Als die D\u00e4mmerung hereinbrach, h\u00f6rten sie einen L\u00e4rm und wu\u00dften, da\u00df jetzt ihre Stunde gekommen war. Die Bauern schleppten m\u00fchselig die schweren Reisigb\u00fcndel heran und warfen sie in den Sumpf. Die Knechte des Ritters trieben mit rohen Worten und Schl\u00e4gen die Bauern an, denn dicht hinter ihnen kam bereits der Ritter mit dem M\u00e4dchen im Sattel, dem er, wie in jedem Jahre, ein sch\u00f6nes Kleid geschenkt hatte. Weil die D\u00e4mmerung schon stark hereinbrach, dr\u00e4ngte auch der Ritter auf die Bauern ein, damit sie schneller die Reisigb\u00fcndel warfen. Pl\u00f6tzlich flatterten aus einem Erlengeb\u00fcsch zwei Gespenster heraus. Das Pferd des Ritters scheute und sprang mit einem gewaltigen Satz vom\u00a0 Reisigdamm in den Sumpf. In diesem Augenblick griffen die Arme der M\u00e4nnergespenster zu und entrissen dem Ritter das M\u00e4dchen vom Pferde. Der Ritter aber und sein Pferd versanken f\u00fcr immer im Moor. Die Ritterknechte waren vor Schreck und Furcht wie gel\u00e4hmt und entflohen diesem unheimlichen Orte. Das M\u00e4dchen wurde ihren Eltern zur\u00fcckgegeben und unter F\u00fchrung des jungen Wanderers zogen die Bauern zur Burg des Ritters. Man fand dort die grausige Hinterlassenschaft dieses W\u00fcstlings. In einem Gew\u00f6lbe waren die K\u00f6pfe s\u00e4mtlicher M\u00e4dchen, die er bisher gefordert hatte, der Reihe nach aufbewahrt. Die langen Z\u00f6pfe waren nach vorn geflochten. Da wu\u00dften die Bauern dem fremden Wanderer herzlichen Dank, weil er durch seine Tat diese Heimsuchung ihrer D\u00f6rfer und den Tod der M\u00e4dchen fortan abgewendet hatte. Sein Name ist nicht \u00fcberliefert. Von der erbitterten Bauernschar, von den Weibern und M\u00e4dchen aber wurde noch in der gleichen Nacht das Nest des Ritters niedergebrannt und nie mehr wieder aufgebaut. Vor nicht zu ferner Zeit soll noch die Stelle, wo sich dieses ereignet hat, durch Tr\u00fcmmer und Mauerspuren zu finden gewesen sein. (Von Adolf Bie\u00df, Plessa)<\/p>\n<h3>\u00a0Die Merzdorfer Brautfahrt<\/h3>\n<p>Zwischen Merzdorf und Pr\u00f6sen dehnten sich in alter Zeit gro\u00dfe S\u00fcmpfe und Wasserfl\u00e4chen aus, so da\u00df der Verkehr zwischen beiden D\u00f6rfern oft zu Kahn stattgefunden haben soll. Nun hatte eine Dorfsch\u00f6ne aus Merzdorf ihr Herz einem Pr\u00f6sener Burschen geschenkt und wollte eines Tages zu ihrem Auserw\u00e4hlten nach Pr\u00f6sen, um mit ihm Hochzeit zu halten. Der Br\u00e4utigam und die Verwandten hatten sich vor dem Dorfe auf einem H\u00fcgel versammelt, um die Braut im festlichen Zuge nach alter Sitte einzuholen. In der Ferne sahen sie schon die Braut im Kahne die Wasserfl\u00e4che \u00fcberqueren. Das war ein freudiges Winken h\u00fcben und dr\u00fcben. Auf einmal h\u00f6rten sie gellende Schreie. Der Kahn war in den Strudel gekommen und gekentert. Das M\u00e4dchen streckte hilfesuchend die Arme aus und versank vor den Augen des Br\u00e4utigams und der Hochzeitsg\u00e4ste im Wasser. Kurz entschlossen sprang der Br\u00e4utigam aber ins Wasser und schwamm auf den gekenterten Kahn zu. Unter eigener Lebensgefahr konnte er Braut und Kahn gl\u00fccklich retten. Der Beifall und Jubel der versammelten Pr\u00f6sener war gro\u00df. So zog das junge Paar gl\u00fccklich im Dorfe ein und besiegelte den Bund f\u00fcrs Leben. (M. Gebhardt im Heimatkalender 1939)<\/p>\n<p>Um einen geraubten Altar geht es in einer Gro\u00dfkmehlener Sage, von der es verschiedene Versionen gibt. Ein Ritter soll einst einen Fl\u00fcgelaltar zur Geisterstunde aus einer fremden Kirche gestohlen und in sein Schloss gebracht haben. Um ihrem Sohn die damals \u00fcbliche Strafe f\u00fcr Kirchenr\u00e4uber, in \u00d6l gesiedet zu werden, zu ersparen, ermordete die Mutter des Ritters ihn schlie\u00dflich hinterr\u00fccks mit einem Dolch. Ein nichtentfernbarer Blutfleck im Putz soll jahrhundertelang von dieser Tat gezeugt haben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.heimatverein-merzdorf.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Steinkreuz-001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-669  alignnone\" title=\"Steinkreuz, Zeichnung H.Barig\" alt=\"Steinkreuz, Zeichnung  H.Barig\" src=\"https:\/\/www.heimatverein-merzdorf.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Steinkreuz-001-300x218.jpg\" width=\"171\" height=\"124\" srcset=\"https:\/\/www.heimatverein-merzdorf.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Steinkreuz-001-300x218.jpg 300w, https:\/\/www.heimatverein-merzdorf.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Steinkreuz-001-1024x744.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 171px) 100vw, 171px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Von einem ermordeten Reisenden handelt die Sage vom Steinkreuz von Elsterwerda, das sich in Richtung Gro\u00dfenhain am Ortsausgang des Ortes befindet.<\/p>\n<p>Eine Sage, welche in ihrem Kern der Wahrheit sehr nahe kommen d\u00fcrfte, erz\u00e4hlt hier von einem Mord an einem Reisenden durch einen Pr\u00f6sener Postillion:<\/p>\n<p>Dieser soll einst seinen einzeln reisenden Fahrgast im Frauenhainer Pfeifholz, wegen seiner wohlgef\u00fcllten Geldb\u00f6rse erschlagen und sp\u00e4ter am Standort des Kreuzes unter hohen Eichen begraben haben. Viele Jahre konnte er diesen Mord verheimlichen. Jedoch soll es fortan an dieser Stelle gespukt haben und mehrfach erschien ein Geist den vorbeikommenden Leuten. Als sp\u00e4ter einmal der M\u00f6rder selbst dort vorbeikam, jagte ihm der Geist einen so gro\u00dfen Schrecken ein, dass er bald darauf krank wurde und verstarb. Auf dem Totenbett soll er seine schreckliche Tat gestanden haben. Erst als die Verwandten des T\u00e4ters ein S\u00fchnekreuz am Grab des Opfers aufstellen lie\u00dfen, beruhigte sich der Geist und er erschien nicht wieder.<\/p>\n<p>Im Wald zwischen Plessa und D\u00f6llingen soll es einst eine mit einem Kreuz aus Waldmoos gekennzeichnete Stelle gegeben haben, an der ein Gutsbesitzer begraben wurde, der aus Gram \u00fcber eine gestohlene Egge gestorben sein soll.<\/p>\n<p>Weitere Sagen sind: Das Steinerne Kreuz und die Pestilenz in M\u00fcckenberg (Lauchhammer), Der Fuhrmann von Plessa, Die Mordgrubenbr\u00fccke (Krausch\u00fctz), Der Teufel im Sch\u00e4ferhaus (Dreska) und Der b\u00f6se J\u00e4ger (Lindenau).<\/p>\n<p>nach Luise Grundmann, Dietrich Hanspach \u201eDer Schraden\u201c 2005<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die sumpfige Niederung und die einst dichten einsamen W\u00e4lder des Schradens boten Stoff f\u00fcr eine ganze Reihe von Sagen, von denen einige in den \u201eLiebenwerdaer Heimatkalendern\u201c und in der \u201eSchwarzen Elster\u201c, einer heimatkundlichen Beilage des Liebenwerdaer Kreisblattes, ver\u00f6ffentlicht wurden. 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