{"id":644,"date":"2013-02-23T10:30:31","date_gmt":"2013-02-23T09:30:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.heimatverein-merzdorf.de\/?p=644"},"modified":"2013-03-16T12:32:51","modified_gmt":"2013-03-16T11:32:51","slug":"uber-die-ludki-oder-die-luttchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.heimatverein-merzdorf.de\/?p=644","title":{"rendered":"\u00dcber die Ludki oder die Luttchen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.heimatverein-merzdorf.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Lutchen_HG.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-676\" title=\"Lutchen Zeichnung von H.J.Jank\" alt=\"Lutchen Zeichnung von H.J.Jank\" src=\"https:\/\/www.heimatverein-merzdorf.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Lutchen_HG-194x300.jpg\" width=\"149\" height=\"231\" srcset=\"https:\/\/www.heimatverein-merzdorf.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Lutchen_HG-194x300.jpg 194w, https:\/\/www.heimatverein-merzdorf.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Lutchen_HG.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 149px) 100vw, 149px\" \/><\/a>Die Ludki, verdeutscht Luttchen, gibt es nur in den beiden Lausitzen. Es sind kleine Leutchen, wie aus ihrem slawischen Namen ersichtlich. Sie wohnen abseits von den Menschen in den sandigen H\u00fcgeln der Niederlausitz, denn sie scheuen den Klang der Kirchenglocken und das Geschrei der Kinder in den D\u00f6rfern. Auch das Pfeifen, mit dem die Menschen ihr Vieh rufen und das Brummen, mit dem die Menschen h\u00e4ufig miteinander umgehen, m\u00f6gen sie nicht. So wird das heimliche Leben der Ludki von unseren Vorfahren begr\u00fcndet.\u00a0 Doch kamen sie vielfach in die D\u00f6rfer der Wenden, deren Sprache sie nur sehr unvollkommen sprachen, so da\u00df man nicht sicher sein konnte, ob ein Ja auch als ja zu verstehen sei oder ob es ein Nein bedeuten sollte. Das brachte manche Schwierigkeit und manches Mi\u00dfverst\u00e4ndnis mit sich. Oft liehen sich die kleinen Leute von den Menschen Werkzeuge. Einen Backtrog, zum Beispiel, oder auch eine S\u00e4ge und anderes. Man lieh ihnen gern, denn es waren durchweg ehrliche Kerlchen, die sorgsam mit den ausgeliehenen Dingen umgingen und sie immer umgehend zur\u00fcck brachten. Auch brachten sie dem Eigent\u00fcmer etwas mit f\u00fcr das ausgeliehene St\u00fcck, etwa ein kleines Brot f\u00fcr den Backtrog.<br \/>\nBei aller Abgeschiedenheit ihres Daseins sind die kleinen Leute t\u00fcchtig und hilfsbereit. Sie helfen den Menschen bei vielerlei Arbeiten im Haus, auf dem Hof und auf den Feldern. Gute Geister eben, wenn sie von den Menschen gut behandelt werden. Unsere Altvorderen stellten ihnen daher des Abends ein kleines N\u00e4pfchen mit Speisen auf die T\u00fcrschwelle, welche sie gern annahmen. Wenn am Morgen die N\u00e4pfchen leer waren, freuten sich die Menschen. Das war n\u00e4mlich ein untr\u00fcgliches Zeichen daf\u00fcr, da\u00df die Ludki oder Luttchen die Speisen auch dankend angenommen hatten. Ver\u00e4rgern aber durfte und wollte man die kleinen Leute nicht, rechnete man doch auf sie, wenn man ihrer wirklich einmal bedurfte.<br \/>\nB\u00f6se konnten die Luttchen werden, wenn man sie \u00e4rgerte oder sich undankbar erwies. Ansonsten waren sie die guten Geister des Hauses. Vertr\u00e4glich und hilfsbereit. Dies nicht nur im Hause, sondern auch bei der Arbeit in Feld und Flur. Einem pfl\u00fcgenden Bauern, welcher ersch\u00f6pft in der Mittagsglut hinter seinem Pflug einherschritt und der bei sich dachte: jetzt w\u00e4re ein Krug Buttermilch und ein St\u00fcck Brot gut, fand, als er seinen Pflug wendete, beides neben der Pflugfurche. Ein anderer Bauer glaubte bei der Wiesenmahd hinter sich Ger\u00e4usche von Kuchenblechen zu h\u00f6ren und murmelte vor sich hin: oh, wie gern w\u00fcrde ich jetzt ein St\u00fcck Kuchen essen, worauf zwei Luttchen erschienen und ihm einen Kuchen brachten. \u201eLa\u00df es Dir schmecken, Bauer, aber la\u00df den Kuchen ganz!\u201c Der Bauer stutzte, bedankte sich, zog sein Messer und schnitt den Kuchen so aus, da\u00df der Rand als ganzer Ring \u00fcbrig blieb. Den gro\u00dfen inneren Kuchenteil verzehrte er mit Appetit. Daf\u00fcr wurde er von den Ludki gelobt. Einem Menschen mit Verstand waren die kleinen Leute stets gewogen, wenn er letzteren nicht daf\u00fcr nutzte, um andere zu \u00fcbervorteilen.<br \/>\nAuch wer ihnen nicht begegnete, dem boten sich in alter Zeit vielf\u00e4ltige Belege ihrer Existenz oder doch zumindest ihrer vormaligen Existenz. Die Urnenfelder mit ihren t\u00f6nernen Gef\u00e4\u00dfen wurden ihnen zugeschrieben. Die kleinen Henkel an den Gef\u00e4\u00dfen waren so recht f\u00fcr die H\u00e4nde der Luttchen gemacht. Auch der Leichenbrand in den Tongef\u00e4\u00dfen mit den kleinen Knochenresten deutete auf die kleinen Leute. Den D\u00f6rflern boten die Ludki geradezu eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Gef\u00e4\u00dfe, welche in der Nachbarschaft ihres Dorfes gefunden wurden. Bei dieser Herkunft der Gef\u00e4\u00dfe war es dann auch kein Wunder, da\u00df diese T\u00f6pfe nun auch wunderbare Eigenschaften hatten. Als Viehtr\u00e4nke genutzt, beugten sie Krankheiten vor. Die Sahne, welche in ihnen ges\u00e4uert wurde, war fetter und ergab eine schmackhaftere Butter als die, welche in den seinerzeit \u00fcblichen Tont\u00f6pfen ges\u00e4uert wurde. Bei den auch sonst sympathischen Eigenschafte der Luttchen war das auch zu erwarten gewesen.<\/p>\n<p>aus \u201eSagen und M\u00e4rchen aus der Lausitz\u201c Herausgegeben von Hubrich-Messow, Gundula 2012<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ludki, verdeutscht Luttchen, gibt es nur in den beiden Lausitzen. Es sind kleine Leutchen, wie aus ihrem slawischen Namen ersichtlich. Sie wohnen abseits von den Menschen in den sandigen H\u00fcgeln der Niederlausitz, denn sie scheuen den Klang der Kirchenglocken und das Geschrei der Kinder in den D\u00f6rfern. 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